Alkoholabhängigkeit von Eltern / Co-Abhängigkeit

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Liebe Leute,

Alkoholsucht von Eltern ist leider auch heute noch etwas, das Kindern und Jugendlichen das Zusammenleben in der Familie nahezu unerträglich machen kann. In meinem Jugendroman „Warum Herr Hagebeck sterben muss“ habe ich dieses Thema aufgegriffen. Die Vorstellung, dass Kinder oder Jugendliche gegen ihre alkoholabhängigen Eltern gewalttätig werden und schließlich aus innerer Not so weit gehen, einen Mord zu planen, um den Misshandlungen durch den Stiefvater ein Ende zu setzen, mag auf den ersten Blick pädagogische Bedenken hervorrufen. In einigen Jugendromanen, in denen das Thema Alkoholismus aufgegriffen wird, sind die Kinder in erster Linie Opfer und finden Hilfe durch engagierte Erwachsene, die ihnen durch Gespräche und durch das Aufzeigen von Hilfsangeboten einen Weg aus der Misere zeigen, oder die alkoholkranken Eltern kommen auf wundersame Weise plötzlich selbst zur Einsicht, beginnen eine Therapie und finden den Weg zur Heilung. Statistisch gesehen ist eine solch hoffnungsvolle Problemlösung aber leider eine absolute Ausnahme. Noch immer gehört Alkoholabhängigkeit zu den Tabuthemen unserer Gesellschaft. Kinder und Jugendliche werden hin und her gerissen zwischen Schuldgefühlen und Co-Abhängigkeit, Unverständnis oder gar Ignoranz der Umgebung und Schweigegelübden, die ihnen von der Familie auferlegt werden. „Warum Herr Hagebeck sterben muss“ kehrt die traurige Realität um und erzählt eine fiktive und völlig unrealistische Geschichte, in der Kinder zu einem Mittel untauglicher Selbsthilfe greifen. Hier wird die Frage gestellt: Was wäre, wenn sich diese Kinder plötzlich tatkräftig zur Wehr setzen gegen den oder die übergriffige(n) Elternteil(e)? Dem Tabu Alkoholsucht wird ein anderes Tabu gegenübergestellt, die Gewalt von Kindern gegen Eltern. „Warum Herr Hagebeck sterben muss“ möchte provozieren und zu Gesprächen anregen und nicht etwa zu Gewalt aufrufen. Ganz bewusst wurde kein „Happy End“ gewählt, denn dies gibt es in der Wirklichkeit selten. Die Erfahrungen, die Kinder und Jugendliche mit einem alkoholkranken Elternteil erleiden, prägen sie oftmals auch noch im Erwachsenenalter, manchmal sogar ein Leben lang. Darum ist „Warum Herr Hagebeck sterben muss“ auch ein Appell an Erwachsene, die Würde von Kindern zu schützen und betroffene Kinder und Jugendliche frühzeitig zu unterstützen, nicht erst wenn sie explizit darum bitten.

A men embottled

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