Der Wattebausch

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Der Morgen bricht an
ein dunkler Traum hat seine Decke
über dich gebreitet
da ist nichts in dir
außer Schwere
dein Körper in die Matratze gepresst
als würde ein Betonpfeiler auf dir ruhen

Ein schwacher Lichtstrahl fällt durch die Gardine
du versuchst die Decke zu heben
ich sehe es in deinen Augen
heute ist einer dieser Tage
an denen sich der Schleier nicht lichtet
es wäre besser die Augen wieder zu schließen
und darauf zu warten, dass der Tag vorbeizieht
ausradiert aus dem Kalender
ohne Erinnerung in deinem Gedächtnis

Du atmest wie eine Maschine
im Standby-Modus
das Herz schlägt offensichtlich
ich weiß nicht, ob dich das beruhigt
du hast heute kein Gefühl
zu dir und zu deinem Leben

Und dieser Wattebausch
über deinen Sinnen
über den Gefühlen
lässt dich im Nebel zurück
hüllt dich ein
unter der dunklen Decke
deiner Alpträume
die sich selbst im Tageslicht
nicht wegschieben lässt

Ein grauer Dunkeltag in deinem Kopf
aber keine Sorge
die Maschine läuft
im Standby-Modus auch ganz gut
und wenn doch eine Sicherung durchbrennt
dann werde ich dich tragen
deine Teile liebevoll zusammenhalten
die Verbindungen umgarnen

Das Lächeln hast du lange geübt
du brauchst keine Angst zu haben
ich schäme mich nicht für dich
für mich bist du keine Maschine
im Standby-Modus
ich halte dich fest
ganz fest
du kannst dich auf mich verlassen

Aber in dir ist der Wattebausch
du spürst dich nicht
ob ich dich grob oder sanft berühre
du kannst es nicht sagen
du hast schlecht geträumt
was würde ich dafür geben
könnte ich die Watte in deinem Kopf
vertreiben

Doch morgen wird wieder ein Sonnentag
vielleicht
und wenn nicht
dann übermorgen
das verspreche ich dir

Meike K.- Fehrmann