Willst Du mein Schlachtfeld sein?

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Johann Heinrich Füssli_Nachtmahr_Allgemeine Zeitung
(Johann Heinrich Füssli, 1741-1825, „Nachtmahr“)

Aus der Finsternis
sternenlos und dumpf
hetzen Dämonen über mich
aus den hintersten Winkeln der Himmel
sie finden mich
wenn ich achtlos bin
im Schlaf des Nachts
Bestien mit blitzenden Reißzähnen
beißen sich fest
freigelassen aus finsteren Verschlägen
der Vergangenheit
versuchen sie Wurzeln zu schlagen
in meiner Traumwelt

Die Geborgenheit und Wärme des Tages
Sonne, Freude, Lachen
ferner als Lichtjahre

Kaltnass ist der Schweiß
auf meiner Haut
ich friere unter der dicken Decke
wenn ich mich hin und her werfe
falle ich bodenlos in die Tiefe

Ich kenne sie alle
weiß ihre Namen
erahne ihre Fratzen
habe sie besiegt
unzählige Male
im Tageslicht

Ich kämpfe weiter – allein
Du kannst nicht an meiner Seite stehen
doch willst Du mein Schlachtfeld sein
mich aushalten in der Dunkelheit der Nacht
möchtest Du der Boden sein
auf dem meine zitternden Knie Halt finden

Du kannst mein Blut auffangen
das aus klaffenden Wunden tropft
und es mir später
wieder in die Venen spritzen
meine abgetrennten Gliedmaße
liegen in Deinem Boden sicher
Näh sie mir wieder an
damit – wenn ich aufwache
alles an mir ganz ist

Und wenn ich seufze neben Dir im Traum
weck mich nicht auf
denn ich kämpfe in einem Krieg
den ich gewinnen werde
solange Du mein Schlachtfeld bist
und ich weich falle
auf Dich

Cornelius Saftleven_Der von bösen Geistern geplagte Hiob
(Cornelius Saftleven, 1631, „Der von bösen Geistern geplagte Hiob“)