Juhuu!!! Es ist wieder „Nacht der schlechten Texte“

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Jedes Jahr freue ich mich besonders, wenn ich im Newsletter der wunderbaren Sandra Utschtrin die Ankündigung für die Villacher Nacht der schlechten Text lese. Bei diesem besonderen Literaturwettbewerb geht es darum, möglichst schlechte Texte zu verfassen. Wenn Sie denken, dass das doch ziemlich einfach sein müsste, probieren Sie es mal aus!

Letztes Jahr habe ich an meinem schlechten Text so lange gepfeilt, dass ich die Anmeldefrist verpasst habe! Und er ist noch immer nicht fertig…. Aber für dieses Jahr habe ich mir fest vorgenommen ihn einzureichen. Egal ob fertig oder nicht.

Ich habe eine Liste mit Tipps zum Verfassen schlechter Texte erstellt und freue mich über Ergänzungen:

Bevor Sie richtig anfangen:

  • Zuallererst schalten Sie die Rechtschreib- und Grammatikkorrektur in Ihrem Schreibprogramm aus. Wer will schon dauernd von roten und grünen Unterstreichungen belästigt werden?
  • Wählen Sie gleich am Anfang einen nichtssagenden Titel, der alles offen lässt „Heute“, „Liebe“, „Weiß ist weiß“. So werden Sie in Ihrer Fantasie nicht eingeschränkt. Führen Sie den Leser schon mit dem Titel aufs Glatteis. Wer will schon das bekommen, was auf einer Verpackung draufsteht?
  • Sie möchten lieber einen aussagekräftigen Titel? Dann wählen Sie bewusst einen, der so ähnlich klingt wie ein Bestseller, dann findet Ihr Werk später Beachtung: „Das Schicksal ist ein mieser Verlierer“, „Passagier 24“, „Ich bin dann mal da“, „Der Darm des Charmeurs“, „Fünf Dinge, die Lebende am meisten bereuen“.
  • Kennzeichnen Sie niemals Zitate im Text. Fußnoten und Literaturverzeichnisse sind reine Platzverschwendung. Sie haben Skrupel wegen der Plagiatsaffären? Dann ordnen Sie Zitate nach eigenem Gutdünken zu, das merkt schon keiner und erspart Ihnen das Nachschlagen: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher“ (Mister Spock).

Form und Grammatik:

  • Es ist nicht nötig, sich schon zu Beginn auf eine bestimmte Zeitform festzulegen. Schreiben Sie mal im Präsens, mal im Präteritum oder sogar im Plusquamperfekt. Letzterer Zeitform wird sowieso immer zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Springen Sie rein intuitiv zwischen den Formen hin und her. Das ist Ihre persönliche Freiheit als AutorIn.
  • Die Erzählperspektive ist beliebig. Ob Ich-Erzähler oder Allwissender-Erzähler, eigentlich passen die doch immer irgendwie. Halten Sie sich also nicht lange damit auf zu überlegen, was für Ihre Handlung stimmig ist. Schließlich können Sie die Perspektive immer wieder wechseln, das zeugt von einem regen Geist.
  • Halten Sie sich nicht mit den besonderen Merkmalen einer bestimmten Textgattung auf. Wen interessiert schon, worin sich Kurzgeschichten, Novellen oder Fabeln unterscheiden? Wir sind hier schließlich nicht im Deutschunterricht.
  • Beachten Sie, dass Satzzeichen nur etwas für Weicheier sind. Sparen Sie an Punkten, wo Sie nur können. Die Verwirrung, die durch Schachtelsätze entsteht, wird mit hoher Intelligenz des Schreibers gleichgesetzt (kennt man schließlich aus Fachbüchern und von Politikern….)
  • Beginnen Sie Aufzählungen und Vergleiche, ohne diese weiterzuführen, z.B. „Das Erste war, dass….“ oder „Einerseits….“. Kein Mensch interessiert sich dafür, was „das Zweite“ oder „andererseits“ ist.
  • Stellen Sie unpassende und verwirrende Vergleiche her, die animieren den Leser zum Nachdenken. Beispiel: „Beim Biss in das Orangenmarmeladenbrot, spürte er ein plötzliches leichtes Ziehen im Bauch wie ein Vorschlaghammer.“
  • Es genügt, wenn Sie sich auf wenige Konjunktionen beschränken. Meistens reichen „dann“, „und“, „weil“.
  • Den Genitiv braucht kein Mensch.
  • Lassen Sie Ihren Text auf keinen Fall Korrektur lesen. Diese selbsternannten Kritiker wollen Sie doch nur verunsichern!

Zum Inhalt:

  • Recherchieren Sie auf keinen Fall Fakten. Die Hauptstadt von Australien ist Sydney? Klar – das denkt doch fast jeder. Lassen Sie sich nicht von anderen belehren oder verwirren. Wikipedia ist etwas für Anfänger.
  • Geben Sie Ihrem Protagonisten die nötige Dramatik: als Waisenkind aufgewachsen zu sein, reicht schon lange nicht mehr. Wie wäre es mit einem feinfühligen Islamisten, der im Rollstuhl sitz, als schwuler Callboy arbeitet und eine besondere Schwäche für Laserschwerter hat?
  • Diesen dramatischen Protagonisten lassen Sie nun die Herausforderungen des Alltags meistern. Beschreiben Sie ausführlich, wie der feinfühlige Islamist zum Briefkasten geht.
  • Oder Sie gehen den umgekehrten Weg: beschreiben Sie den Protagonisten mit langweiligen und möglichst unkonkreten Adjektiven („er ist schön“, „er sieht gut aus“) und lassen Sie ihn dann unglaubliche Heldentaten vollbringen, die so überzogen sind, dass selbst James Bond erblasst.
  • Bauen Sie sado-maso Szenen ein, die sind gerade sehr beliebt. Hierbei auf jeden Fall das Stereotyp „Karrierefrau wartet schon ewig darauf, von einem echten Kerl richtig gedemütigt zu werden“ bedienen. Überhaupt sollten Sie mit Sex nicht sparen, aber bleiben Sie unbedingt bei schwammigen derben Schlagworten wie F***** oder Vö****, da kann sich jeder etwas drunter vorstellen.
  • Scheuen Sie sich nicht, zwischen den Zeilen unauffällig das zum Ausdruck zu bringen, was Sie schon immer mal sagen wollten. Beispiel: „Das frischvermählte Ehepaar fährt auf dem Weg zum Flughafen an einer Litfaßsäule vorbei, an der ein altes Wahlplakat der SPD hängt. Der Partei, die für Harz IV und die Kinderarmut in Deutschland verantwortlich ist. Das Brautpaar freut sich auf ihre Flitterwochen in Marokko.“
  • Geben Sie Ihren Protagonisten kreative Namen, die überhaupt nicht zu ihren Charaktereigenschaften passen. Den feinfühligen Islamisten nennen Sie „Paul Lustig“. Oder geben Sie mehreren Personen ausländische Namen, die sehr ähnlich klingen „Salim“, „Said“, „Salih“, „Safi“. Das sorgt für zusätzliche Spannung, weil der Leser die Figuren leicht verwechselt und sich dadurch ganz neue Lesarten entwickeln.
  • Und zu guter Letzt: Vergessen Sie den Vampir nicht!!! Dieses erotische Wesen ist ein absolutes Muss!!!

Gibt es weitere Tipps?

Meike K.- Fehrmann

Hier geht´s zur Ausschreibung: Literaturwettbewerb zur Nacht der schlechten Texte