Die Po-Zwickerin

By

Aufmerksam blicke ich durch ihn hindurch. Erst sein „verstehen Sie, was ich meine?“, holt meine Gedanken zurück an diesen tristen Ort, den ich mein Büro nenne und ich nicke, um gleich wieder innerlich auf Wanderschaft zu gehen, die Augen aber, wie zwei Scheinwerfer, auf seine gerichtet. „Das ist für Sie nicht leicht“, nehme ich den Faden auf und richte meinen Blick kurz auf seine feucht glänzenden Lippen und muss dabei unweigerlich mit der Zunge über meine eigenen fahren. Jetzt bin ich hier, sage ich mir immer wieder, KONZENTRATION. Sein Augenlied zuckt ein wenig, wenn er spricht. Ich höre nur ein Geräusch aus Lauten – verschwommen. Würde er nach meiner Hand greifen, hätte er womöglich meine ganze Aufmerksamkeit. Welche Farbe hat seine Unterwäsche? Trägt er Shorts oder einen engen Slip? „Wann kann ich Ihnen den Vertrag zurück bringen?“, die Frage schmettert an meinen Kopf. „Im Laufe der Woche“, Standardantwort. Ist seine Brust behaart? Mein Blick gleitet zu seinem Ausschnitt. Der oberste Knopf seines Hemds ist offen, keine Haare zu sehen. Er erhebt sich langsam von dem unbequemen Plastikstuhl. Seine hellblaue Jeans wird von einem braunen Gürtel zusammen gehalten. Ich strecke ihm die Hand entgegen: „Vielen Dank, dass Sie gekommen sind. Auf Wiedersehen.“ Er nimmt meine Hand, könnte sie küssen, seinen heißen Atem über sie hauchen. Die Berührung bleibt auf der Haut, selbst als ich die Hand längst zurückgezogen habe. Seine Schritte sind auf dem grauen PVC-Boden kaum zu hören, nur ein leises Klacken. Ich öffne ihm die Tür, wir lächeln uns an, er nickt kurz. Als er an mir vorbei geht, greife ich ihm kurzentschlossen an den Po und kneife zu. Er zuckt zusammen und schaut mich überrascht an, öffnet den Mund, sagt aber nichts. Ich lächele ihn an, ziehe eine Augenbraue hoch. Er geht noch einen Schritt über die Schwelle weiter und ich schließe die Tür hinter ihm. Bisher hat sich noch kein Mann wegen sexueller Belästigung beschwert, diese Feiglinge. Ich muss unweigerlich grinsen. Schon gar nicht, wenn sie Angst um ihren Job haben. Durch die Glasscheibe sucht er nach meinen Augen. Mich zum Schreibtisch wendend, kehre ich ihm aber den Rücken zu. Ich bin eben auch nur eine Frau.

frau lippen