Nach dem Ende kommt die Leere

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Man sollte meinen, dass es ein Glücksgefühl ist, wenn man ein Buch abschließt. Endlich ein Projekt beendet! Den Stift nach nächte- und tagelangen Korrekturen beiseite legen. Doch jedes Mal spüre ich nur Leere und ich frage mich: geht das anderen Autoren auch so? Man arbeitet so intensiv auf das Ende hin, und dann? Kommt die Leere.

In den letzten Tagen der intensiven Überarbeitung, habe ich mich den von mir erschaffenen Figuren so nah gefühlt, als wären sie wirklich da. Das ist, wenn man über einen Frauenmörder schreibt, nicht immer erheiternd… Meine einsamen Spaziergänge fielen ungewöhnlich kurz aus… Aber es gibt ja auch die anderen. Georg Maindl z.B. den oberbayerischen Hauptkommissar, der von Heimweh geplagt in Wiesbaden lebt, seine hübsche und taffe Kollegin Cornelia Schwarz und sein türkisch-stämmiger Kollege Özkan Yilmas, mit dem ich im wahren Leben gerne mal ein Bier trinken würde. Der junge Mann mit der Nickelbrille würde mich ganz sicher zum Lachen bringen. Sie alle sind so präsent und scheinen sich mit dem letzten Klick auf „Manuskript senden“ plötzlich zu verabschieden.

Ich könnte natürlich direkt mit dem nächsten „Georg Maindl Krimi“ anfangen. Aber wie viel Krimi und Auseinandersetzung mit Psychopathen, Leichen und Gewalt kann die eigene Seele vertragen? Ich hatte eigentlich vor, mal etwas Erheiterndes zu schreiben, etwas Leichtes. Mmmhhhh…das Gefühl dafür, mag sich nicht so recht einstellen.

Gut – ich hätte jetzt wieder Zeit für die echten Menschen in meinem Leben. Könnte endlich mal eine Verabredung nicht absagen. Oder liebe Menschen anrufen, die schon sehr sehr lange auf meinen Rückruf warten. Einen vor Monaten ausgemachten Kinobesuch wahr werden lassen, überhaupt ein „Sozialleben“ haben mit Freunden, die man wirklich trifft und so… Doch der Antrieb dafür fehlt im Moment noch.

Mein Manuskript „Rache stirbt zuletzt“ liegt in der Schublade meiner Lektorin, ist von ihr bereits bearbeitet. Nun dauert es nicht mehr lange und ich kann die letzten Korrekturen vornehmen, mit der Grafikerin das Cover abstimmen und, wenn alles gut läuft, ist der „zweite Georg Maindl Krimi“ zu Weihnachten im Buchhandel erhältlich.

Und dann hoffe ich, dass die Leere bald weicht und ich zu neuen literarischen Ufern aufbrechen kann.

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(Foto: marymary/photocase)