Sehnsucht nach Soma – Fahrenheit 451

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Fahrenheit 451 – Die Temperatur, bei der Bücher brennen. Mussten wir in der Schule lesen – damals. Soma hieß die Droge, die kleinen Pillen, die jeder regelmäßig von der Regierung bekommen hat. Zum Ruhigstellen. Für das Glücksgefühl. Zur Betäubung.

Vielleicht war ich die Einzige, die damals schon dachte: Wie schön!

Das traute ich mich natürlich nicht zu sagen. Denn es war ja klar, was wir Heranwachsenden davon zu halten hatten: Dass das ganz schlimm war!!! Eine Regierung darf so etwas nicht!!!

Betäuben tun wir uns auf andere Weise. Unsere Drogen sind subtiler. Sie werden natürlich NICHT von unserer Regierung GRATIS abgegeben. Mit dem Smartphone in der Hand und Stöpseln in den Ohren, bauen wir einen Schutzwall um uns. Damit die Wirtschaft weiter wächst, kaufen wir und kaufen wir und kaufen wir. Mit Alkohol, Musik und Zigaretten. Mit Schokolade, Sex und Tagträumen. Damit wir nicht mehr spüren müssen.

Nicht mehr spüren. Nicht mehr spüren.

Was eigentlich? Den Schmerz? Die Einsamkeit? Die Sinnlosigkeit? Die Leere?

Die Ohnmacht. Ja, ich meine, es ist die Ohnmacht.

Gegenüber „denen da oben“. Dem Fremdgesteuert  sein. Vielleicht sollte ich eine Online -Petition starten:

SOMA FÜR ALLE! – GRATIS!

Dann wäre Vieles leichter zu ertragen. Z.B. die Wahlen in den USA. Politiker, die sich nicht um den Klimaschutz scheren. Rassismus. All das wäre plötzlich rosa-rot. Du kannst einwerfen: Dann ändert sich nichts mehr. Und Du hast recht! Aber ohne Soma wandelt sich auch wenig zum Guten.

Oder siehst Du das anders?

 

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Rike/pixelio.de

 

Fotos: Medikamentencocktail PicturePoint.Photo/PIXELIO.de, rosarote Brille rike/PIXELIO.de