Waldbühnenblues (Teil 2)

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Cora warf sich Markus in die Arme. Endlich waren sie wieder zusammen! Sie küsste ihn auf den Mund und begann augenblicklich ihn zu entkleiden. Es war so schön ihn zu sehen. Ihn zu spüren. Sie kniete sich vor ihm auf den Boden, öffnete geschickt seine Hose und begann an seinem Schwanz zu lecken. Markus drückte ihren Kopf an sich, stieß hart in ihren Mund. Sie ließ ihn geduldig gewähren. Eigentlich wollte sie nicht, dass er jetzt schon in ihrem Mund kam, denn dann würde er wieder einige Zeit brauchen, bis er erneut konnte, damit auch Cora auf ihre Kosten kam. Aber Markus ließ ihren Kopf nicht los und so spritzte er schließlich sein Sperma in ihren Mund, das sie bereitwillig schluckte. Immerhin hatten sie ja Zeit. Sie musste erst in einer Stunde zu Hause sein, wenn David von der Arbeit zurückkam, und bis dahin würde sie Markus schon wieder auf Touren bringen für mehr Sex. Doch als sie aus dem Badezimmer zurückkam, wo sie sich den Mund ausgespült hatte, hatte Markus sich die Hose wieder angezogen und seinen schwarzen Mantel übergestreift.
Sie sah ihn fragend an: „Musst du schon los?“ wollte sie verwundert wissen.
Markus nickte und sagte zögernd: „Das war heute unser letztes Treffen.“
„Was?“, fragte Cora ungläubig.
„Wir müssen das beenden.“
„Wieso denn? Wir schlafen jetzt seit“, Cora überlegte einen Moment, „über zwei Jahren zusammen. Das kannst du nicht einfach beenden.“
„Doch, kann ich schon und ich habe dir von Anfang an gesagt, dass es irgendwann vorbei sein muss.“
Cora sah ihn hilflos an. „Ich fühle mich grad, als würde ich ertrinken! Du kannst mich doch nicht einfach aus deinem Leben ausschließen!“
Doch er sah sie nur schweigend an.
„Du schlägst die Tür vor meiner Nase zu mit deinen fadenscheinigen Entschuldigungen“, ihre Stimme zitterte und ihre Augen füllten sich mit Tränen, „ich kann es mir ohne dich gar nicht mehr vorstellen! Jede Nacht träume ich von dir, das kannst du mir doch nicht antun!“ Ihre Stimme stockte und eine kurze Pause entstand.
Als sie fortfahren wollte, hob er eine Hand und sagte: „Versteh mich doch! Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder! Es ist besser wir beenden das jetzt, auch wenn es schwer fällt. Es wäre für mich eine absolute Katastrophe, wenn wir auffliegen!“
„Und dafür ist es jetzt für mich eine Katastrophe!“, schrie Cora außer sich. „Haben dir die zwei Jahre denn gar nichts bedeutet?“, fragte sie tränenerstickt.
„Doch natürlich“, sagte er sanft, „du musst mir glauben, dass mir diese Entscheidung auch nicht leicht fällt. Aber es ist vernünftiger. Zwischen mir und Anne läuft es wieder besser und ich habe ein schlechtes Gewissen ihr gegenüber. Kannst du vielleicht einmal dein Gehirn einschalten?“
Cora wandte den Blick ab. Nach allem was zwischen ihnen gewesen war, wagte er es, so mit ihr zu reden? Dass es zwischen ihm und seiner Frau wieder besser lief, wollte sie überhaupt nicht wissen. Wieso steckte er ihr seinen Schwanz in den Hals, wenn es mit seiner Frau so viel besser lief? dachte sie höhnisch. Natürlich konnte sie seine Argumente rational nachvollziehen. Aber gefühlsmäßig gehörte er zu ihr. Der Gedanke daran, wie er mit Anne schlief, machte sie ganz krank.
„Ich kann meine Gefühle nicht unterdrücken, so wie du das kannst“, sagte sie leise. „Du verlierst mich und du verlierst auch dich selbst. Ich nehme dir nicht ab, dass du sie mehr liebst als mich.“
Er verdrehte die Augen. „Es geht hier nicht um Liebe! Es geht darum, was richtig ist und was falsch. Begreif das endlich!“

Markus wollte ihr zum Abschied einen Kuss auf die Wange drücken, aber Cora drehte sich weg. Sie wich einen Schritt zur Seite und wehrte seine Umarmung ab.
„Geh!“, schrie sie.
Für einen Moment schaute er sie an, versuchte ihren Blick einzufangen, aber Cora wich ihm aus. Also ging er ohne ein weiteres Wort zu sagen. Cora fühlte sich allein und ihr war kalt, als die Tür hinter ihm zuschlug. Sie zog ihre Strickjacke fester um sich und dann kamen die Tränen. Sie liefen über ihr Gesicht und Cora konnte sie nicht bremsen. Erst lehnte sie sich mit dem Rücken gegen die Wand, dann sackte sie schluchzend zu Boden. Dort blieb sie eine ganze Weile sitzen und weinte.

Als sie schließlich nach Hause ging, mit weit ins Gesicht gezogener Kapuze, wünschte sie sich sie wäre unsichtbar. Mit gesenktem Kopf lief sie die Straßen entlang durch diese Stadt, die sie immer gehasst hatte. Durch diesen Ort, an dem sie niemals hatte leben wollen. Nur wegen David war sie hierher gezogen. Markus war ihr Lichtblick gewesen. Mit ihm schien dieser Ort nicht mehr ganz so unerträglich zu sein. Ihre geheimen Treffen hatten ihr über zwei Jahre hinweg so viel Kraft gegeben. Und nun war alles vorbei. Natürlich war von Anfang an klar gewesen, dass diese Affäre nicht ewig dauern würde, aber Cora hatte es geschafft, diesen Aspekt auszublenden. Dass sie mit David verheiratet war und sie einen Sohn zusammen hatten. Dass Markus ebenso verheiratet war und sich niemals von seiner Frau trennen würde. Das hätte sie wissen müssen. Aber über all die Monate, hatte sie stets gehofft, dass sie vielleicht doch eine gemeinsame Zukunft hätten. Irgendwann, wenn die Kinder etwas älter waren. Doch nun hatte Markus all diese Hoffnungen weggewischt mit einem einzigen Satz. Als Cora zu Haus ankam, war David glücklicher Weise noch nicht zu Hause. Beim Blick in den Spiegel bemerkte sie, dass ihre Augen rot verquollen waren und sich an den Wangen rote Flecken abzeichneten. Sie ging ins Badezimmer und ließ kaltes Wasser über ihre Hände laufen, klatschte es sich ins Gesicht. Die Kühle tat ihr gut. Dann zog sie sich aus. Sie hatte das Bedürfnis sich zu waschen. Alles abzuspülen. Besonders Markus von sich abzuspülen. Die Zahnbürste nahm sie mit in die Dusche, um sich gründlich die Zähne zu putzen. Kein einziger Tropfen seines verdammten Spermas sollte noch irgendwo in ihrem Mund kleben.

Als David und Leo nach Hause kamen, stand Cora noch immer unter der Dusche. Der Raum war schon voller Wasserdampf, wie in einem Dampfbad. Doch Cora ließ das heiße Wasser weiter über ihre Haut laufen, auch wenn sie bereits brannte.
Sie hörte David im Flur rufen: „Wir sind wieder da, Kleines!“
Er schien bester Laune zu sein und versuchte ins Badezimmer zu kommen, aber Cora hatte die Tür zugeschlossen. „Bist du da drin, Liebes? Mach doch mal auf!“, rief er fröhlich, „Leo hat vorgeschlagen, dass wir heute Abend zusammen ins Kino gehen. Was meinst du?“
„Ich fühle mich heute nicht so gut. Warum geht ihr nicht alleine?“, fragte Cora und drehte endlich das Wasser ab. „
Was hast du denn?“, fragte David durch die Tür und seine Stimme klang besorgt.
„Ach, gar nichts Besonderes, nur Kopfweh“, erwiderte sie schnell, „ich gehe heute früh ins Bett.“

(Auszug aus dem Manuskript von Meike K.-Fehrmann, Copyright bei der Autorin)

Zu Teil 1 geht es hier: https://meike-k-fehrmann.com/2016/12/08/eine-postmoderne-konstruktivistische-liebesgeschichte-waldbuehnenblues/

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