Buchempfehlung: „Vom Verstummen der Welt“ – Marcel Robischon

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Heute möchte ich euch ein Sachbuch vorstellen: „Vom Verstummen der Welt“. Durch die poetische und bildhafte Sprache ist es trotz der ernsten Thematik ein wahrer Lesegenuss. Es geht um die Zusammenhänge zwischen der Verarmung der Sprache und dem Artensterben in der Natur. Ein interessantes Thema auch für uns Autorinnen und Autoren.

Grundannahme des Buches: Mit der Zerstörung der Biodiversität verarmt nicht nur unser natürlicher Reichtum; verloren geht auch eine geistige Quelle, aus dem menschliche Kultur seit Jahrtausenden schöpft.

Prof. Dr. Marcel Robischon, Forstwissenschaftler und Biologe, verdeutlicht anhand zahlreicher Beispiele, dass mit der Zerstörung der Biodiversität nicht nur unser natürlicher Reichtum verarmt, sondern auch eine geistige Quelle verlorengeht, aus der unsere Kultur seit Jahrtausenden schöpft. „Aus Vielfalt wird Einfalt. Welche Auswirkungen hat diese ‚biologische Globalisierung‘ auf den Menschen als kulturelles Wesen? Was bedeutet es für unser Denken, wenn immer weniger Pflanzen und Tiere die Natur bereichern oder der Reichtum der Arten als Muster für unsere Vorstellungen und Ideen verschwindet?“ Mit dem Begriff „Globalopolis“ veranschaulicht der Autor bildhaft, wie alte Häuser, Wiesen und Wälder neuen Straßen und Beton weichen müssen. Diese globalen Städte werden einander immer ähnlicher. Auch die Beziehung zwischen Mensch und Tier wird von Robischon besonders beleuchtet. Dabei teilen sich nicht nur in den Märchen der Gebrüder Grimm, sondern auch in alten Überlieferungen anderer Kulturen, Mensch und Tier dieselbe Umwelt. Alles, was an phantastischen Wesen erdacht werden kann, hat ihren Ursprung im Tier- und Pflanzenreich. Seit jeher haben Menschen die Natur als künstlerische aber auch technische Inspiration genutzt, um z.B. Lösungen für Probleme zu finden, wie der Satz „Ameisen stehen nicht im Stau“ verdeutlicht, als Modell für die Optimierung von Transportnetzwerken und Verkehrsströmen. Auffällig ist laut Robischon, dass weltweit in Gegenden, in denen ein besonders hohes Aussterben von Tier- und Pflanzenarten zu verzeichnen ist, auch viele indigene Sprachen verschwinden. Mit dem Verschwinden der Sprachen, gehen Bezeichnungen für bestimmte Tierarten, Tierlaute oder Farben für alle Zeiten verloren.

Gefördert wurde das Buchprojekt durch die Andrea von Braun Stiftung, die den Abbau von Grenzen zwischen Disziplinen zum Ziel hat, damit Unerwartetes zu Tage treten kann.

Hintergrundinfos zum Autor: Prof. Dr. Marcel Robischon

  • Geboren in Freiburg im Breisgau
  • Forstwissenschaftler und Biologe
  • Tätig u.a.: an der Humboldt Universität Berlin, am Fraunhofer Institut für Atmosphärische Umweltforschung in Garmisch
  • Veröffentlichungen u.a.:
    • Planet der Insekten. Haupt Verlag, Affoltern/Schweiz 2011
    • Vom Verstummen der Welt. Oekom Verlag, München 2012

Für mich stellt sich die Frage: Wie beeinflusst Globalopolis unser künstlerisches Schaffen als Autorinnen und Autoren? Ich wüsste dazu gerne eure Meinung.

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