Pflanzenbegegnung: Die Kohldistel

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Die Kohldistel – gegessen und nie mehr vergessen

Im distligen Dornröschen-Dösen
Versprichst dein Name Stachelgenuss
Und heilsamen Geschmacksverdruss
Willst pieksend Bauchweh lösen
Mit Drachenrücken-Blätterzacken
Disteln die Nadeln in den Backen
„Hat hier zufällig jemand ein Glas Wasser?“
Die Dornen im Hals machen die Augen nasser
Hellgrüne Blätter, gelblich, blasser
„Geschmacklich ist es auch nicht ganz rund!“
Doch für Kühe sicher sehr gesund

Solistin auf kantig sehnigem Stängel
Im Blätter-Familien-Bett schlummern die Blüten
Während die Stacheln noch im Magen wüten
Wurzelnder Lebenssaft gegen Mängel
Kohl erinnert an Winter, an Armut
Doch Sonnenkohl, Blumendistel, verzaubernde Anmut
Du überragst alle anderen weit
Stehst als Wiesen-Wächterin wonnig bereit
Scheinst von der Schwerkraft fast befreit
Verträumt schaust du in die Ferne
Deine Sicht auf die Welt wüsste ich gerne

Der Kuhzungen kraftvolle Küsse versüßen
Während du posierend den Himmel neckst
Und dich noch weiter nach oben reckst
„Auf Drachenschwingen muss es gelingen die Sonne zu grüßen!“
„Aus dem Weg! Wer sticht die Wolken, die höchsten?“
„Wer wächst auf der Wiese am größten?“
Im Wettkampf, wer die meisten Hummeln verführt
Den Notlandeplatz für Hubschrauber-Hummeln berührt
Die summeln und brummeln von Blüte zu Blüte
Leben vom Distelstolz, verführender Güte
Wenn ihr die Dämmrungskühle später spürt
Wird die Kohldistel-Königin gekürt

Meike K.-Fehrmann, Juli 2017, Schreibwerkstatt Rabenmoos-Alm

Fotos: I. Leidus, C.A.M. Lindman, Chr. Fischer, B. Haynold (CC)