abendrot – gedicht zur guten nacht für dich und mich

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abendrot

vorboten beim abendbrot backen
die engel roten wolkenkuchen
steigt der rauch aus ihrem himmelsofen
schloten voll schaumig bauschiger
schwingen eingeschenkt in rosa himbeersirup
glatt, gleißend und wattig weich, wellige gesäume

blau

fransige fetzen eines offenen mantels im spotlight
glitzernde rosenpaillietten entblößt, gemälde
meiner großeltern über dem ehebett
mit hirte und schafen vor schäfchenwolken
verträumt, decke in zartrosa vom roten socken
in der waschmaschine vergessen, haare

grau

wird der vorhang morgen schwinden
verwandelt von dem nahenden engel
essen kuchen hinter wolkenpalästen
aus regentürmen, die morgen durchstürmen
den garten, die wiese, das haar
der oma mit frischer dauerwelle

silbern

strahlt der himmel glitzerstreifen
golden durchstechen die löchrige zarte
rosendecke, täuschende wärme,
die nicht bleibt bei dir und mir
verheißung, entschuldigung für das,
was kommen mag und noch nicht ist

schwärze

sich ankündigt gegen uns
als beschenke der himmel seine kinder
dich und mich bevor sich die schleusen
öffnen aus strahlen werden ströme
verwandeltes rosa in grau, spüre ich schon jetzt
die nahende nässe der nord-nacht

verwaschen

meike k.-fehrmann

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