Folge der inneren Stimme…

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„Folge der inneren Stimme und nimm an, was dir zusagt, und lasse anderen, was jenen recht erscheint, oder beachte nichts von allem, denn nicht alles ist für alle!“

Caspar David Friedrich, Romantiker um 1800

Ausgerechnet am 05.09.2017 besuchte ich das Caspar David Friedrich Haus in Greifswald. Auf Rügen hatte ich Feuer gefangen für den Romantiker, dessen Bilder ich bis dahin kitschig uWP_20170905_12_44_54_Prond altmodisch fand. Doch als ich auf dem Königsstuhl stand und meinen Blick über die schier endlose Ostsee schweifen ließ, begann ich den Zauber der Romantik zu verstehen. Und an seinem Geburtstag ging ich also durch sein Geburtshaus in der Hafenstadt Greifswald. Seine Eltern waren Lichtgießer gewesen. Licht und Schatten – von klein auf seine Begleiter. Caspar hat Zeit seines Lebens an Depressionen gelitten. Auslöser war wahrscheinlich ein traumatisches Kindheitserlebnis. Im Winter brach er als Junge in das Eis eines Sees ein. Sein Bruder versuchte ihn zu retten. Als er ihn herauszog, fiel er selbst in das Loch, wurde unter das Eis gezogen und ertrank. Der junge Caspar lebte – sein Bruder fand sein Grab in dem eisigen Nass. Als Erwachsener hatte er immer wieder Phasen, in denen er nicht arbeiten konnte. Die Depressionen hielten ihn in ihren eisigen Klauen. Linderung fand er auf Rügen. Mehrere Reisen unternahm er dorthin, immer dann, wenn es ihm besonders schlecht ging. Dann folgten Schaffensphasen unglaublicher Kreativität und Produktivität. Ein auf und ab. Schatten und Licht. Er selbst nannte die depressiven Phasen „faule“ Phasen. Wahrscheinlich hatte man damals noch keine rechte Erklärung für die dunklen Wolken, die sich über die Seele schoben…

Foto: Caspar David Friedrich „Der Wanderer über dem Nebelmeer“, 1818

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