Der begleitete Tabubruch – Lesung mit Meike K.-Fehrmann in der Stadtbibliothek Traunstein

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75 Schülerinnen und Schüler fanden sich am Mittwoch, den 06. Juli 2016 in der Stadtbücherei Traunstein ein, um meine Lesung aus „Warum Herr Hagebeck sterben muss“ zu hören. Die Achtklässler hatten das Buch zum Teil als Schullektüre vorab gelesen und ausführlich diskutiert. Hier ein sehr schöner Bericht von Herrn Heid, Lehrer am Annette-Kolb-Gymnasium Traunstein:

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Tabu-Thema Alkoholismus – Dichterlesung mit Meike K.-Fehrmann in der Stadtbibliothek

Ein Thema, das normalerweise nicht Eingang in Klassenzimmer und of­fe­ne Diskussionen findet, stand über der Dichterlesung aus dem Ju­gend­ro­man „Warum Herr Hagebeck sterben muss“: Alkoholismus und Co-Abhängigkeit der Angehörigen.

Während Frau K.-Fehrmann mit dem eindrucksvollen Vortrag Ihrer ersten Seiten des Romans die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 8 fesselte, spürte man bereits, dass hier Gesprächsstoff in der Luft lag. Die vier jugendlichen Protagonisten des Romans, die die Al­ko­hol­sucht ihrer Väter zusammenbringt, beschließen nämlich nach dem Durchlaufen mehrerer Eskalationsstufen, einen der (Stief-)Väter umzubringen, da sie keinen anderen Aus­weg mehr sehen, sich selbst und auch die Mutter zu schützen.

Dass dies natürlich keine echte Lösung ist, wurde im anschließenden Gespräch mit der Autorin klar: Sie selbst offenbarte sich als Betroffene, die auch unter dem Al­ko­hol­miss­brauch ihres Vaters gelitten hatte – und ihre eigene Geschichte hat ein Happy End, ganz im Gegensatz zum Roman. Und so wurden viele Fragen gestellt und es wurde deutlich, dass das Thema kein Randgruppenthema ist. Statistisch gesehen ist jedes 5. Kind von der Sucht eines oder beider Elternteile betroffen und es wurde auch offenbar, dass es hier wenig konkrete Hilfsangebote gibt.

Auch dass Alkohol zu den Nervengiften zählt und dass eine Abhängigkeit als echte Krankheit mit der Not­wen­dig­­keit von professioneller Hilfe verbunden ist, war den wenigsten vorher bewusst. Die sympathische Autorin verstand es, den jungen Menschen mit Offenheit und klaren Antworten Wichtiges auf den Weg mitzugeben: Ignorieren und Verschweigen ist falsch und jedem mündigen Men­schen sollte bewusst sein, worauf man sich bei übermäßigem Alkoholkonsum einlässt.

Und so danken wir der Autorin, ebenso wie der Stadtbücherei, für diese einzigartige Möglichkeit des begleiteten Tabubruchs, der Spuren hinterlassen hat. So plant das Annette-Kolb-Gymnasium nun am Ende des Schuljahrs einen Gastauftritt des Kul­tur­hauses Chiemgau, das unter der Leitung und Autorenschaft von Svetlana Teterja-Pater diesen Text inszeniert hat. Gleichzeitig ist dies ein weiterer Ansporn, das Thema Suchtprävention an unserer Schule voranzutreiben, dafür speziell ausgebildete Lehrkräfte stehen bereits in den Startlöchern.

R. Heid

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Quelle: http://www.akg-traunstein.de/joomla/index.php/aktivitaeten/aktuell/407-tabu-thema-alkoholismus-dichterlesung-mit-meike-k-fehrmann-in-der-stadtbibliothek