Traunstein versus Kultur!? – Nachklang zur Podiumsdiskussion

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„Traunstein versus Kultur!?“, lautete der provokante Titel der Podiumsdiskussion, die am 26.07.2017 im Rahmen der Chiemgauer Kulturtage im Café Festung stattfand. Christian Latzlsperger vom „Verein Vereinsheim Festung“ moderierte die Runde. Eingeladen waren Svetlana Teterja-Pater (Leiterin des Jungen Ensembles Traunstein, vertreten durch Leonie Wagner), Judith Bader (Leiterin der Städtischen Galerie), Fricko Friese, Musiker und Veranstaltungsorganisator der Festung und ich als Vertreterin des Vereins „Chiemgau-Autoren“ und Oberbürgermeister Christian Kegel.

Es ging u.a. darum, was Ehrenamt im kulturellen Bereich leisten kann und wo klare Grenzen sind. Das ist ein Punkt, der mir besonders wichtig war. Ehrenamt kann vieles, aber eben nicht alles. Solange der Stadtrat nicht zustimmt, dass die Stelle im Kulturreferat besetzt wird, können viele Projekte nicht verwirklicht werden. Als Ehrenamtliche fehlt uns an manchen Stellen das Know-How, die Zeit, das Geld und außerdem: Ehrenamt bedeutet für mich Zeit zu schenken. Diese Zeit möchte ich nicht mit Bürokratie und Klinkenputzen verbringen müssen. An wen sollen sich Kulturschaffende in Traunstein wenden, wenn sie Infos über Fördermittel möchten? Wer kann bei der Organisation von größeren Veranstaltungen unterstützen, wenn sich diese kommerziell nicht lohnen (Beispiel: deutschlandweiter Vorlesetag)? Wie kann kontinuierliche Arbeit gewährleistet werden, wenn häufig nur einzelne Projekt gefördert werden? Oberbürgermeister Christian Kegel stellte sich auch den Fragen aus dem Publikum, z.B. dazu warum der Stadtrat der Erarbeitung eines Kulturkonzepts für die Stadt nicht zugestimmt hat. Auch am Umbau der Klosterkirche schieden sich die Geister. Wird der „Kulturtempel“ tatsächlich ein Haus für jedermann und jederfrau? Judith Bader von der Städtischen Galerie hätte lieber über den ideellen Wert von Kultur gesprochen als über Fördergelder und Raumprobleme, die für uns Kulturschaffende ohne Büro und festes Einkommen aber nun mal wichtig sind. Leonie Wagner kam als Vertretung für Svetlana Teterja-Pater und hat vom Jungen Ensemble erzählt. Ich durfte die Arbeit der Chiemgau-Autoren vorstellen, während Fricko die Musikbranche und Subkultur in Traunstein vertrat. Ein richtiges Ergebnis kam bei der Diskussionsrunde nicht raus. Trotzdem bin ich froh, dass ich mich auf die Bühne getraut habe. Viele hatten von den Chiemgau-Autoren noch gar nichts gehört und der Oberbürgermeister hat mir zugesagt, dass wir im neuen Kulturzentrum auch mal Lesungen machen können. Ich würde gerne schreiben: „Es bleibt spannend in der Traunsteiner Kulturszene“, aber von frischem Wind, Hoffnung und Veränderung war wenig zu spüren. Danke an die Mitglieder vom Vereinsheim Festung e.V., die diese Veranstaltung so gut geplant und durchgeführt haben!

Diskussionsrunde_Traunstein versus Kultur_2017